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018 – Die Beeren erkennen

018
Der menschliche Körper ist auf Entbehrung eingestellt. Wird die Gemütslage durch Völlerei definiert, von Alkohol abhängig gemacht oder gar mittels anderer wirkungsaktiver Substanzen stimuliert, gilt es das eigene Ich in aller Deutlichkeit zu hinterfragen. Selbst wenn man irgendetwas oder irgendjemanden benötigt oder heranzieht, um sein Befinden ins Positive zu verändern, hat man den geistigen Zustand des Selbst sorgsam einer genaueren Überprüfung zu unterziehen. Die mentale Verfassung sollte stets endogen entstehen und ins Exogene getragen werden, sprich vom Inneren ins Äußere sich entfalten. Angeblich schlaue Sätze (sic!) lassen sich gewaltig schnell niederschreiben. Sie können auch irrsinnig rasch vergessen werden, indem man die Ablenkung sucht, findet und sich ihrer Verführung ergibt. Das Elend ist mit Belustigung leichter zu ertragen und mit zunehmender Zerstreuung entgeht man sich in Lust. Die seelische Unzulänglichkeit ist im unbewussten Schwellendasein des Nichtstuns erträglicher, als wenn man sich ihrer auch nur für ein paar gefühlte Sekunden aussetzt. Das ist sogar auf einer realen Ebene irgendwo verständlich, weil niemand daran interessiert ist, sich die eigenen Mängel vor Augen zu führen.

Wer ist also wirklich von Deprivation, der Beraubung von Vertrauten, befallen? Ich denke, die wenigstens. Weswegen? Falsche W-Frage? Möglicherweise. Trotzdem: Es sind die winterharten Wildbeeren der nördlichen Hemisphäre. Spätjahrgänge sind genießbar zu ihrem Ende hin, milder im Abgang, aromatischer bei der Verköstigung und manchmal durchzogen von einer nussigen Note. Tatsächlich, und um ehrlich zu sein, entbehre ich mich der Antwort. Beeren kann man selbst entdecken, gerne auch Bananen und Gurken, und um diese wahre Aussage abzumildern: Tomaten, Kürbisse, Zitronen, Avocados oder Kiwis gehen zwar nicht immer, aber sind eben auch Beerenfrüchte. Vergesst die Erd-, Him- oder Brombeere! Alle Rubus-Arten sind aus botanischer Sicht keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte. Erkenntnisse, die kein Neuland sind, zerlegen jede dichotomische Scharade in ihre substantiven Einzelteile.

Mit Vermerk auf die #017: In nicht einmal zwei Dekaden wird (unsere) Khantal, folgt sie dem Wunsch ihrer indischen Mutter, mehr über Beeren wissen, als so manch einer, der das jetzt liest.

Hochempathievoll, ℐţ.


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