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019 – Den Frost erkennen

019
Der eine schläft todesmutig, der andere ruht, reduziert seine Wach- und Fressphasen auf ein Minimum, hingegen ein Dritter im Bunde nicht nur förmlich, sondern tatsächlich erstarrt. Was sie alle eint: Sie verschwinden, tauchen ab, verkrümeln sich, igeln sich ein wie ein x-beliebiger Stachelhäuter bei drohender Gefahr. Ist ein derartiger, strategischer Rückzug mit sinkenden Außentemperaturen wirklich von Nöten? Oder wird dieses Verhalten eher aufgrund hormoneller Umstellungen zwangsläufig vollzogen? Quasi eine Anpassung an die veränderten Umweltbedingungen?

Jener Absatz diente lediglich dazu, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wichtigkeit vor Richtigkeit! Wer schläft, vertraut. Wer nicht eigenständig wach wird, der verliert. Wer sich selbst ausschaltet, weiß um seine Reaktivierung. Bereitschaft auf unterschiedlichen Ebenen. Und Sätze, die ohne Tenor auskommen. Inhalte, die nicht verstanden werden. Formulierungen, die ins Absurde führen. Perioden, die es auszusetzen, auszuhalten gilt.

Anstelle dummer Worte, wie wäre es mit ein wenig Poesie? Poesie, die nicht berühren mag? Klanglos, erlebnisarm, gefühlskalt und ohne bildhafte Sprache eventuell? Jeder hat die Wahl, außer der, der fragte.

Süße nach Rauhreif.
Geschmack nach Kälte.
Enjoy the white delight,
And bless the winter pea!
Die Entfaltung kommt nach dem ersten Frost. Bitterstoffe weichen breitmachenden, vollen Aromen. The glow of the solar halo is glossed and forever lost. Luna's light, stretching itself towards the sun as a foeman.
Die Stärke räumt den Platz für den natürlichen Zucker. Wurzeln verwandeln Energie zu heilstarken Ballaststoffen. Dude, what rhymes with "Zucker"? Hug the bugger, chucker? What is "Ballaststoffen"? Do you use this word quite often?
Harte oder herbe Früchte werden milder und weicher zugleich. We need a last rhyme. I need a last rhyme. It's not "leicht".

Poesie malt mit Worten der Schönheit, und Fantasie schmückt sie aus. Moderne Kunst ist nur für ausgesuchte Geister zu erkennen. Und damit zurück zum Frost!
Um ehrlich zu sein, gibt es hier keine Spreu und keinen Weizen. Für ein paar Blindworte, ohne Sinn und Verstand, um den Text künstlich zu verlängern: Grünkohle, Rosenkohle, Karotten, Pastinaken, Topinamburen – und viele der Erdäpfel-Arten. Oder: Hagebutten, Schlehen, Misteln. Allesamt sind hart im Nehmen. Apropos Misteln, so völlig nebenbei erwähnt – und um den Versuch zu wagen aus den ausgeworfenen "blinden Begriffen" einen Hauch von aussagelosem Nonsens herauszupressen –, sie sind was Heiliges, ein Symbol des Nicht-Alltäglichen. Gerade bei klirrender Kälte, bei kurzen Tagen und langen Nächten. Die Mistel, so sei (es) gesagt, sucht nicht die Verwurzelung mit der Erde, sie klebt in der letzten Jahreszeit ganz oben in den Ästen, nahe dem Tor zu der/einer anderen Welt und ignoriert rigoros die gedämpfte Sonneneinstrahlung, als ob ein Zauber in ihr wohnen würde. Die weißbeerige Mistel, für ein Beispiel, ist allenfalls ein Halbschmarotzer und ist, so ich vermutend erwähnen dürfte, fern jeglichen Parasitismus. Sie ist, realistisch betrachtet, einfach ein extremer Spätblüher. Punkt. Schmeißt sie ins Julfeuer für die Fruchtbarkeit! Ihr grünes Antlitz verschwindet in Teilen im Winter, wenn sie reift, und dabei bleiben ihre Blätter vital. Faszinierend bis zu dem Tag, wo der Wirtskörper Abschied nimmt und die Symbiose zerbricht. Bedienen oder entledigen – das ist hier die Frage. The simple answer is: Let her/them bloom in a pied-à-terre! And this is – believe it or not – the end, my friend. I'm not kidding.

Hochempathievoll, ℐţ.


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